Entdeckung nahe Linz könnte Österreichs größte Keltensiedlung sein

Anlage stammt aus dem 2. und 1. Jahrhundert vor unserer Zeitrechnung - bewohnte Fläche umfasst etwa zwölf Hektar

Linz - Archäologen des Bundesdenkmalamtes haben in Neubau in der Gemeinde Hörsching nahe Linz entlang der B1 die vermutlich größte Keltensiedlung Österreichs entdeckt. Sie schätzen die im 2. und 1. Jahrhundert vor unserer Zeitrechnung bewohnte Fläche auf etwa zwölf Hektar, auf der sich mehrere Höfe mit allen dazugehörenden Gebäuden befanden. Die Ausgrabung wurde Ende Juni in Zusammenarbeit mit der Straßenbauabteilung des Landes Oberösterreich gestartet. Denn in Neubau soll im kommenden Jahr der Bau einer Umfahrung begonnen werden. Und schon in den 50-er und 80-er Jahren des vorigen Jahrhunderts waren in Schottergruben in unmittelbarer Nähe einzelne Funde aus der Kelten- und Römerzeit entdeckt worden. Aus Kostengründen kann derzeit nur auf jenen Flächen gegraben werden, die später für die Umfahrung benötigt werden.

 

Wertvoller Müll

Das Grabungsteam unter der Leitung von Heinz Gruber vom Bundesdenkmalamt in Oberösterreich hat vor allem Pfostenlöcher von Gebäuden entdeckt sowie Spuren von überdachten Gruben, die als Werkstätten beispielsweise als Weberei dienten. Die meisten Funde machten die Archäologen aber in den Müllgruben der Kelten. Dort fanden sich unter anderem die Scherben von kaputt gegangenem Keramik-Geschirr - sowohl Teile von eher grob gearbeiteten Gefäßen für die Lagerhaltung als auch von feinem Tafelgeschirr. Ihre Gestaltung erlaubt den Ausgräbern die Datierung der Funde: 2. und 1. Jahrhundert vor unserer Zeitrechnung, die so genannte späte La-Tène-Zeit. Weiters lagen dort Speisereste - Knochenteile von Rind, Schwein, Schaf oder Ziege und Geflügel. Darüber hinaus konnten die Ausgräber stark angerostete Eisenklingen, aus Knochen gemachte Werkzeuge, deren Verwendungszweck noch unklar ist, sowie einen Teil zur Erzeugung von Wollfäden und einen Bronzering mit Verzierungen aus Knoten und Widderköpfen bergen. Ähnliche Ringe wurden laut Gruber auch schon im Raum Brünn und Prag gefunden, was die kulturelle Einheit der Hallstattzeit dokumentiert.

Es wird weiter gegraben

Vereinzelt gibt es auch Funde aus der Römerzeit im 2. und 3. Jahrhundert unserer Zeitrechnung. Die heutige B1 folgt vermutlich einer Römerstraße. Diese lehnte sich wiederum an die Siedlung aus der davor liegenden Keltenzeit an, möglicherweise wurden ihre Überreste zu dieser Zeit noch genutzt, vermutet Gruber. Die Ausgrabung soll fortgesetzt werden - zumal Spuren im Boden darauf schließen lassen, dass auch ein teilweise mit der B1 überbautes Hügelgrab vorhanden ist. Sorgen bereiten den Archäologen allerdings Raubgräber, die in ihrer Abwesenheit mit Metallsuchgeräten unerlaubt nach "Schätzen" suchen. Sie schreckten auch nicht davor zurück, die Container der Ausgräber aufzubrechen und Abdeckplanen aufzuschneiden, die die freigelegten Bodenflächen vor der Witterung schützen sollten. Polizeistreifen fahren seither mehrmals in der Nacht zu Kontrollen zum Ausgrabungsort.

APA – 03.August 2005