Woher kommt der Name Kelten ?

Der Name "Keltoi" taucht etwa um 500 v. Chr. erstmals in griechischen Texten auf und diente zur Bezeichnung der Gesellschaften an den Nordrändern der antiken Mittelmeerwelt - somit als Allgemeinbegriff. An dieser Kategorisierung hat sich bis heute wenig geändert. Was wir jedoch mit ziemlicher Sicherheit wissen - einen Kulturkreis oder zumindest eine Sprache, die wir als keltisch nennen dürfen, hat es schon wesentlich früher gegeben. Hier muss man bis in die Urnenfelderkultur und sogar noch weiter zurück gehen. Siehe voriges Kapitel: Die Protokelten. Woher der Begriff "Keltisch" stammt, ist bis heute nicht eindeutig geklärt. Als er um das Jahr 500 v. Chr. erstmals in den Schriften auftauchte, schrieben und spekulierten die antiken Autoren über die Völker, die die Griechen "Keltoi" oder "Galatae" nannten recht zusammenhanglos und wenig zutreffend. Im Gegensatz zur heutigen Praxis nannte kein einziger antiker Autor die alten Britannier oder Iren Kelten. Vor gut 2.000 Jahren war der Name "Kelten" ausschließlich den auf dem europäischen Festland Beheimateten vorbehalten. Erst im 17. und 18. Jahrhundert wurde es aufgrund früher Sprachforschungsarbeiten üblich, auch die eisenzeitlichen Bewohner Irlands oder Britanniens als Kelten zu bezeichnen. In der Renaissance erwachte aufgrund der Hinwendung zu den Schriften der antiken Klassiker wieder das Interesse für die angestammten Kulturen von Ländern wie wie England, Frankreich und dem deutschen Sprachraum. Später führten eingehendere Untersuchungen dieser Texte durch gelehrte wie den Schotten George Buchanan (1506-1582) und den Waliser Edward Lhwyd (1660-1709) zu dem Schluss, dass das von den alten Galliern in Frankreich gesprochene Gallische mit dem zeitgenössischen Irischen, Schottisch - Gälischen, dem Walisischen oder Kymrischen und anderen Sprachen verwandt war. Ausgehend von Cäsars unscharfer Benennung der Bevölkerung Galliens mit "Celtae" wurde der Begriff "Keltisch" gewählt, nunmehr jedoch bezogen auf diese Gruppe verwandter Sprachen. Im 18. Jahrhundert wurde die ursprüngliche linguistische Klassifizierung zur ethnischen Bezeichnung aller Völker Britanniens, Irlands und Festlandeuropas, von denen man annahm, dass sie in vorrömischer Zeit und danach eine keltische Sprache gesprochen haben. Diese sehr weit gespannte Definition der Kelten als ethnische Gruppierung herrscht bis heute vor. Als eher unwahrscheinlich gilt es, dass alle heute unter den Namen Kelten gefassten antiken Völker sich selbst so nannten oder einen pankeltischen Identitätsbegriff hatten. Die Kelten waren wie die Germanen ein Volk der Völker, die ähnliche Strukturen bildeten, aber keine gesamte Einheit darstellten. Ähnlich wie das heutige Europa, welches man gerne als Einheit, bestehend aus Spaniern, Britten, Skandinavier, Deutschen, Italiener, u.a. Völkern sehen würde, es aber nie so weit kommen wird. Dabei hatten es die keltischen Völker anhand der gleichen Sprache noch einfacher. Man kommt so zur zufriedenstellendsten Definition der Kelten zurück: "Völker der keltischen Sprachfamilie". Da die Kelten nur wenig schriftliches in ihren Sprachen hinterließen, müssen wir uns auf die Ersatzquellen stützen, beispielsweise auf keltische Namen und Wörter in klassischen Texten oder auf überlieferte keltische Ortsnamen. Aufbauend auf der Arbeit der ersten Sprachforscher, fassen die Philologen heute die keltischen Sprachen als Zweig der erheblich größeren indogermanischen oder indoeuropäischen Sprachfamilie auf. Einige altkeltische Sprachen sind erloschen (z.B. in Spanien oder die Dialekte in Gallien), aber es gibt oder gab vor kurzen sechs unterschiedliche Keltensprachen. Man teilt sie in zwei Gruppen: das "q" keltische oder Goidelische und das "p" keltische oder Britannische. Der Grundunterschied liegt in der Ersetzung des offenbar früheren q-Lauts des q-keltischen durch einen p-Laut (das altirische Wort für Sohn beispielsweise heißt "mac", auf altwalisisch jedoch "map"). Es gibt drei q-keltische Sprachen (Neuirisch, Schottisch-Gälisch und Manx), die alle aus dem Altirischen abgeleitet sind, und drei p-keltische Sprachen (Walisisch, Bretonisch und Kornisch), von denen man annimmt, dass sie dem Altbritannischen entstammen. Die Zugehörigkeit der erloschenen Keltensprachen zu dieser modernen Einteilung ist unsicher, doch scheint das Gallische im wesentlichen eine p-keltische Sprache gewesen zu sein. Ursprünglich schrieben die Gelehrten das q- und das p-keltische zwei Wanderungswellen durch Europa zu. Diese Theorie gilt heute nicht mehr als sehr wahrscheinlich; vielmehr hat es den Anschein, als hätten sich die keltischen Sprachen nicht von einem kleinen Zentrum aus ausgebreitet, sondern allmählich auf einem großen Gebiet herausgebildet.

 (Quelle: "Das Zeitalter der Kelten" - Simon James)