30 Jahre Krieg und die Varusschlacht - Teil I

Die Schlacht im Teutoburger Wald ist die berühmteste Schlacht, die zwischen Germanen und Römern ausgefochten wurde. Wahrscheinlich ist es generell das bedeutendste Ereignis, das jemals zwischen Germanen und Römern stattgefunden hat. Zudem war ihr Ausgang für die weitere Geschichte der beiden Parteien von entscheidender Bedeutung. Doch war die Varusschlacht nur der Höhepunkt des ersten dreißigjährigen Krieges auf deutschen Boden. Wie jeder langjährige Krieg, so hat auch dieser seine Vorgeschichte. In Cäsar und die Germanen wird bereits ein Teil erwähnt. Doch fassen wir zusammen: Die Eroberungspolitik der Römer hatte unter Cäsar in den Jahren 58 - 51 v. Chr. einen Höhepunkt erlebt. Ganz Gallien war nach langen und verlustreichen Kämpfen römische Provinz geworden, ohne das jedoch eine Absicherung im Osten an der Rheingrenze erreicht worden wäre. Diese offene Ostflanke im römischen Gallien wurde in der Zeit des Kaisers Augustus (31 v. Chr. - 14 n. Chr.) durch Germaneneinfälle immer wieder in Gefahr gebracht. Im Jahre 16 v. Chr. kam furchtbare Kunde nach Rom. Cassius Dio berichtete: "Sugambrer, Usipeten und Tenkterer hatten zuerst in ihrem Lande einige Römer aufgegriffen und gekreuzigt; dann waren sie über den Rhein gegangen und hatten in Gallien und Germanien römischen Besitz geplündert. Die römische Reiterei, die gegen sie anrückte, lockten sie in den Hinterhalt. Bei der Verfolgung der flüchtigen Reiter stießen sie ganz unvermutet auf deren Befehlshaber Lollius mit der V. Legion und besiegten auch ihn". Cassius Dio stellt hier zusammenfassend die Germanen als Aufrührer und Räuber dar. Doch warum sollten die Germanen rebellieren? Wo Ihnen doch eine Freundschaft mit den Römern hauptsächlich Vorteile bringen sollte? Kennen wir diese Situation nicht aus anderen Epochen und aus der heutigen Zeit? Schließlich sind sich die Historiker der Machtpolitik Roms um jeden Preis bewusst. Daher sollte uns der Sachverhalt eines Zeitzeugen, "Velleius Paterculus", Zeitgenosse des Kaisers Augustus und späterer Reitergeneral unter Tiberius logischer erscheinen: "In Germanien erlitten die Römer eine Niederlage unter dem Unterfeldherren Marcus Lollius, einem Menschen, dem es bei allen Gelegenheiten mehr darum zu tun war, Geld zu erwerben als recht zu handeln, und der größte Schurke war, so sehr er auch sein Laster geheim zu halten suchte." Also wir sehen eine römisch politisch gefärbte Meinung, noch dazu eines Mannes der kein Zeitzeuge war. Ihm gegenüber eine Meinung die den Grund der Abneigung gegen römische Invasoren erklärt und die Aufstände der Germanen verständlich macht. Augustus sah die Dinge in Rom natürlich ganz anders. Es war Grund genug für eine weitere Macht - und Eroberungspolitik. Unter zeitweiliger Verlegung seiner Amtsgeschäfte nach Gallien bildete er zunächst die drei gallischen Provinzen Aquitania, Belgica und Lugdunensis. Die Ostgrenze der Provinzen verlagerte er bis an den Rhein. In Zusammenarbeit mit seinem Stiefsohn Drusus werden die ersten großen Militätlager in Nijmwegen (Hunerberg), Xanten (Castera Vetera), Neuß (Novaesiurn), Asberg (Asciburgium), Bonn (Castra Bonnensia) und Mainz (Mogontiacum) errichtet. Drusus erhält im Jahre 13 v. Chr. den Oberbefehl über die Niederrheinarmee und spricht die ersten Feldzüge in das rechtsrheinische freie Germanien mit seinem Stiefvater ab. Im Jahre 12 v. Chr. beginnt Drusus mit seinen ersten Vorstößen über den Rhein. Die überaus erfolgreichen Fortschritte im Jahr 11 v. Chr. und die gründliche Konsequenz der Römer, zeigt das es sich nicht mehr um reine Vorbeugungsfeldzüge hielt. Sie mögen in Augustus die Überzeugung geweckt haben, Germanien zur Provinz machen zu wollen. Im selben Jahr bei der Rückkehr des Drusus ins Winterlager wurde dieser im Eggegebirge bei Arbalo von den Cheruskern unter der Führung von Segimer, dem Vater des Arminius angegriffen. Drusus konnte sich freikämpfen, obwohl sein Heer fast aufgerieben wurde. Arminius hat hier bereits als siebenjähriger Junge von der Feindschaft seines Vaters zu den Römern und der großen Schlacht von Arbalo gehört. Hier wurden vermutlich bereits die ersten Feindbilder des Knaben für die späteren Kämpfe gegen die Römer gebildet. Im Jahre 10 v. Chr. bekämpfte Drusus die Chatten. 9 v. Chr. war Drusus Ende. Am Weg zum Lager am Rhein stürzte er an der Saale vom Pferd und erlag kurz danach im Lager seinen Verletzungen. Hier hatt sich auch eine Legenden um Drusus Tod gebildet. Cassius Dio weiß zu berichten, dass Drusus nach seinen Kämpfen an der Weser einer germanische Seherin begegnete, die ihn aufgrund seiner Gräueltaten verfluchte. Kurz darauf passierte der tödliche Unfall. Es sei vermerk, dass Dio einen Hang zum Übersinnlichen hatte. Der Nachfolger von Drusus sollte nicht minder erfolgreich agieren. Sein Name war Tiberius. Doch nach Meinungsverschiedenheiten mit seinem Schwiegervater, dem Augustus zog er sich auf die Insel Rhodos im Jahre 7 v. Chr. zurück, ehe Tiberius im Jahre 4. n. Chr. unter großen Beifall die Legionen in Germanien wieder führte. Dazwischen führte bis zur Zeitwende Lucius Domitius Ahenobarbus, Schwager des Augustus die Legionen in Germanien. Über diesen Zeitraum weiß die Geschichtsschreibung wenig zu berichten, außer das der Lippe - Limes vollständig mit Wall, Gräben und Wachtürmen abgesichert wurde. Der Limes ist heute das größte archäologische Bodendenkmal Europas und UNESCO Weltkulturerbe. Er wurde in mehreren Etappen im Laufe von 2 Jahrhunderten erbaut und erstreckt sich über 568 km. Im Jahre 1 n. Chr. fand dann unter Marcus Vinicius der uneingeschränkte Krieg gegen die Germanen statt. Auch hier gibt es leider keine genaueren Angaben über seinen Verlauf zu entnehmen. Offensichtlich war aber wohl nach den Viniciusjahren die erneute überlegene Führung durch Tiberius notwendig geworden. 5 n. Chr. wurden die Chauchen unterworfen. Ein Jahr zuvor wurde unter Tiberius und Augustus der Freundschaftsvertrag mit den Cheruskern unterzeichnet. Somit konnten die Römer auf die cheruskischen Hilfstruppen zählen, mit dessen Unterstützung Tiberius weiter nach Norddeutschland zog. Der damals 22 Jährige Arminius stand bereits in den Diensten der Römer. Tiberius befand sich am Ende des Jahres 5 n. Chr. auf dem Höhepunkt seiner Feldherrenmacht. Alle germanischen Stämme waren besiegt oder hatten sich unterworfen, bis auf die Markomannen unter der Führung von König Marbod. Diese zogen sich aber nach dem heutigen Böhmen zurück. Marbod hatte etwa 70.000 Krieger und 4.000 Reiter zur Verfügung. Er hatte wie möglicherweise Arminius seine Jugendjahre in Rom verlebt und deshalb den römischen Waffendienst genau kennen gelernt. Es galt also für Tiberius, dieses letzte kriegerische Volk in Germanien zu besiegen. Doch dieses Unternehmen musste 6 v. Chr. abrupt abgebrochen werden - Tiberius stand bereits bei Carnuntum , bis auf 5 Tagesmärsche von den Markomannen entfernt - da sich die Völker Pannoniens und Dalmatiens gegen Rom erhoben haben. Die ganze Kriegsmacht von 8 Legionen musste nach Pannonien geworfen werden, wo sie 3 Jahre lang bis zum Jahre 9 n. Chr. gebunden sein sollte. (Quelle: "Die Varusschlacht, der Untergang der römischen Legionen im Teutoburger Wald" - Rolf Bökemeier)