Woher kommt der Name Germanen ?

Am deutlichsten fassbar sind die Germanen als Sprachgruppe, und das bis heute. Man weiß, dass fast alle europäischen Sprachen miteinander verwandt sind - zu den wenigen Ausnahmen zählen das Baskische im Westen, Finnisch, Lappisch und Estnisch im Norden, Ungarisch im Osten. Alle anderen Sprachen einschließlich iranischer und indischer Idiome werden auf eine gemeinsame Grundsprache zurückgeführt: das Indogermanische, auch Indoeuropäisch genannt. Die genannten Schnurkeramiker oder Streitaxtleute sprachen wahrscheinlich diese indogermanische Sprache. Die Frage nach ihrer Urheimat ist ungeklärt. Schließlich entwickelte sich das Germanische als Untergruppe des Indogermanischen im Laufe des 1. vorchristlichen Jahrtausends. Der länger als ein Jahrtausend andauernde Prozess erstreckte sich über erschlossene Grundsprachen, wie das "Urgermanische" und das "Spätgermanische" zu Beginn der Völkerwanderungszeit über die Bildung diverser Stammesdialekte bis zur Entstehung der modernen Sprachen, die man heute als germanisch bezeichnet: das Deutsche, das Niederländische, das Flämische, Friesische, Englische, die skandinavischen Sprachen Dänisch, Schwedisch, Norwegisch, Isländisch und Färöisch. Trotz dieser Kenntnis in der Sprachentwicklung, bleibt die Deutung des Namens "Germanen" im Dunklen. Gaius Julius Cäsar griff diesen Volksnamen auf und machte ihn populär - mit Konsequenzen bis in unsere Gegenwart. Germanen (lat. Germani) nennt die antike Ethnographie seit Poseidonios von Apameia (griech. Philosoph und Historiker, 2/1. Jhs. v. Chr.) die östlichen Nachbarn der Kelten. Nach Tacitus (Germania) soll der Name von dem Stamm, der zuerst den Rhein überschritt, auf alle rechtsrheinischen Völkerschaften übertragen worden sein. Doch die Übermittlung aus lateinischen Quellen macht alles noch komplizierter. Cäsar und Tacitus sagen, die Belger und die Treverer stammten von den Germanen ab; nun meint Cäsar mit Germanen ganz sicher jene Völker, die rechts des Rheines lebten oder herüberdrängten - aber was meinten die Belger und die Treverer, die sich selbst offenbar Germanen nannten? Keine andere Gruppe, weder Sweben noch Chatten noch Cherusker, hat sich je so bezeichnet, nur jene Stämme die Links des Rheines wohnten. Manche Abkömmlinge der Belger nennt Cäsar Germanen, obwohl er die Belger selbst als Gallier bezeichnet - man sieht, der Wirrwarr der Stammesnamen bleibt für diese Epoche undurchdringlich. Und hier zeigt es sich wieder, dass man in vielen Fällen Germanen und Kelten kaum unterscheiden kann. Somit stellen jene linksrheinischen Germanen, deren Name auf alle Stämme rechts des Rheines übertragen wurde, die Forschung vor ein Rätsel. Weitere Spekulationen für den Begriff Germanen ergeben sich fast schon aufgelegt aus dem Lateinischen. "Germen" bedeutet Leibesfrucht, im Sinne von Sprössling und Keim. "Ger" bedeutet Speer. "Germanus" bezeichnet man die Menschen, welche die selben Eltern haben, also nicht etwa durch Adoption, Bruder oder Schwester sind. Dadurch die übertragene Bedeutung wahr, echt, wirklich = brüderlich. Eine Vermutung die auf Germani = Brüder schließt. Wobei gelegentlich durchaus unklar ist, welche der genannten Stämme denn nun Kelten waren und ob die Eigenart der so genannten Germanen vor der Zeitwende überhaupt ausreicht, um von einem eigenen, von den Kelten wesentlich unterschiedenen Volk zu sprechen. So kann sich jeder seine Theorie aussuchen. Beweisbar ist keine, dadurch wird wohl nie der Begriff "Germanen" eindeutig geklärt werden. Tatsächlich hat Cäsar in seinem Werk "Der Gallische Krieg" den Namen Germanen zuerst benutzt, als Tacitus seine Germania schrieb, war er bereits eingebürgert. ( Quellen: "Die Germanen" - Hanns Ferdinand Döbler, "Die Geschichte der Germanen" - Arnulf Krause ).