Die germanische Frau

 

Die Germaninnen waren laut den antiken Autoren für die damalige Zeit sehr groß. Die Augenfarbe der germanischen Frauen war meist blau, sie hatten eine helle Haut und rötliches Haar. Sie hüllten sich ärmellose Hemdröcke aus Leinen, die auf beiden Seiten mittels Fibeln zusammen gehalten wurden. Um die Hüfte trugen sie einen Gürtel mit einer reich verzierten runden Platte aus Gold oder Bronze. Den Kopf der Frau bedeckte ein Tuch, das Schuhwerk glich dem der Männer. Unverheiratete Frauen trugen ihr Haar mit einem Metallreifen geschmückt offen. Verheiratete Germaninnen steckten ihr Haar meist hoch. Schmuck wie Armreifen, Ketten, Ohrringe oder Fingerringe waren bei den Frauen heiß begehrt. Die Frau arbeitete im Garten und Haus, sie musste Mehl auf dem Mehlstein reiben, Brot backen und für das Essen sorgen. Weiters zählte zu ihren Aufgaben sich um das Vieh zu kümmern und Vorräte zu sammeln. Sie musste sich also um das Wohlergehen der gesamten Familie kümmern. War der Mann oder ein Kind krank, wurde die Hausmutter zur Ärztin. Wenn es hart auf hart kam, griffen die Frauen auch einmal selbst zur Waffe, was aber äußerst selten war. Trotz oder gerade wegen der vielen, harten Arbeit, wurden sie sehr verehrt. Den Kindern brachte man große Liebe entgegen. Die Römer bewunderten den Kinderreichtum der Germanen. Mit der Zahl der Kinder wuchsen der Stolz und das Gefühl der Stärke bei den Eltern. Die meisten Ehen wurden im Einverständnis beider Brautleute geschlossen, obwohl speziell in frühgermanischer Zeit der Brautkauf üblich war. Nach der Brautwahl vereinbarte der Werber mit dem Brautvater den Ehevertrag. Dabei wurden dem Brautvater Geschenke überreicht. Der Besitz von Mann und Frau wurde gemeinsam genutzt, galt aber als getrenntes Eigentum. Die Führung der Familie oblag dem Mann als Familienoberhaupt. Die Germanen hatten immer nur eine Frau, bis auf wenige Ausnahmen, die Aufgrund einer hohen Stellung mehrere besaßen. Überaus selten war, trotz der zahlreichen Bevölkerung, ein Ehebruch. Sollte es dennoch eine Frau gewagt haben, so kam die Strafe schnell und war dem Manne überlassen. Meist schnitt er der Ehebrecherin das Haar ab, und jagte sie nackt vor den Augen der Verwandten mit Rutenhieben durch das ganze Dorf. Nachsicht gab es keine. So lebten die Frauen in wohlbehüteter Sittsamkeit! Es gab bei den Germanen auch noch eine besonders angesehene Sorte von Frauen, nämlich die Seherinnen. Diese hatten eine Art priesterlicher Funktion. Namentlich bekannt ist Velleda (Veleda), nach Tacitus (Hist., IV, 61, 65) eine germanische Seherin vom Stamm der Brukterer, die zu großen Ruhm gelangte. Sie beförderte 69 n. Chr. durch ihre Aussprüche den Aufstand der Bataver unter Civilis und wurde 70 von dem römischen Feldherrn Petilius Cerealis um Unterstützung eines mit Civilis abzuschließenden Vergleichs angegangen; sie starb wahrscheinlich in römischer Gefangenschaft. Weitere bekannte germanische Frauen waren Thusnelda - die Gattin des Arminius, Brunnhilde – fränkische Königin westgotischer Herkunft sowie Tochter des Westgotenkönigs Athangild und Chrodichilde – Frankenkönigin und Gattin von König Chlodwig. (Vielen Dank meiner Frau "Manuela" für die Zusammenfassung der germanischen Frau.)