Cäsar und die Germanen

Was war von der Zerschlagung der Teutonen, Ambronen und Kimbern (103 - 101 v. Chr.) bis zur Varusschlacht passiert? Marius hatte die Invasionen der Kimbern und Teutonen zwar niedergeschlagen, doch damit war die Angelegenheit noch nicht zu Ende, denn in der Psyche der Römer hatte die Schreckenswelle ihre Spuren hinterlassen und lebte als latente Bedrohung fort. Es musste also nur ein ehrgeiziger, gewitzter Feldherr an das Kimberntrauma erinnern, und schon durfte er zum Schutz der Heimat alle erforderlichen Maßnahmen ergreifen - übrigens ein heute noch von den großen Staatsmännern angewandter Trick. Dieser gewitzte Feldherr war Gaius Julius Cäsar (100 - 40 v. Chr.). Er hatte sich vorgenommen, die Grenzen des römischen Reichs vom Mittelmeer bis zum Rhein zu erweitern - und darum musste Gallien erobert werden. An anderer Stelle wird noch über die barbarischen Züge des Cäsars gegen die Gallier berichtet - etliche Stämme wurden ausgerottet. Unvermeidlich war somit auch ein Zusammenstoß mit Germanen. Auf einen gallischen Hilferuf überquerte "Ariovist" mit seinem Heer, bestehend aus Sueben, Markomannen Triboker, Vangionen, Nemeter, Sedusier und skandinavischen Haruden den Rhein. Er war von den keltischen Sequanern gebeten worden, ihnen gegen ihre Nachbarn, die Häduer 62 v. Chr. zu helfen. Er tat dies auch, in dem er die Häduer besiegte. Zur Belohnung erhielt Ariovist ein Drittel des Gebietes, südwestlich vom Rheinknie bei Basel. Die gallischen Stämme jener Zeit lagen im ständigen Streit miteinander. Sicher ein Grund, der es Cäsar in weiterer Erfolge wesentlich erleichterte Gallien zu unterwerfen. Dem Beispiel Ariovists folgten weitere rechtsrheinische Stämme und zogen Richtung Gallien. Bevölkerungsdruck in der Heimat, sowie der Reiz des fruchtbareren Galliens waren Beweggründe. Cäsar begann mit seiner Eroberung Galliens 58 v. Chr. , so das er unvermeidlich auf Ariovist traf. In seinem Werk "Der gallische Krieg" schneidet Ariovist bei Cäsar überraschend gut ab - ähnlich wie Cäsars gallischer Widersacher Vercingetorix. Ein geschickter Taktiker sei Ariovist gewesen. Doch das Verhandeln half alles nichts. In Mühlhausen im Elsass kam es zur Schlacht. Cäsar bot vier Legionen auf. Und es wurde eine knappe Sache. Ariovist und seine Kämpfer hatten gleich zu Beginn die Römer zurückgedrängt. Nur die bessere Ausrüstung und der Auftritt der Reitergruppe des jungen Publius war es zu verdanken, dass der Sieg doch noch Cäsars Legionen gehörte. Der germanische Verbund wurde zurück gedrängt und Ariovist entkam in einem Boot. Er starb vermutlich vier Jahre später. Mit der römischen Eroberung Galliens hatten die Germanen natürlich auch neue Nachbarn erhalten. Von nun ließ Cäsar die Rheingrenze nicht mehr aus den Augen. 56 v. Chr. überquerten Usipeter und Tenkterer in nur scheinbar friedlicher Absicht den Rhein, um Cäsar nach Land zu fragen. Die Verhandlungen liefen fast 1 Jahr. Noch während der Verhandlungen, in der Nähe des heutigen Koblenz wurden sie von den Römern angegriffen, zahlreiche Germanen mit Frauen und Kindern wurden getötet. Das Cäsar zu derart brutalen Aktionen fähig war, hatte er wenige Jahre zuvor mit dem Völkermord an den Nerviern bewiesen, deren Stamm und Namen, wie er stolz zugab, er nahezu ausgelöscht hatte. Im römischen Senat stellte Cato der Jüngere, ein erbitterter Fein Cäsars, den Antrag, ihn wegen der Gräueltaten, die er an den Usipetern und Tenkterern begangen hatte, an die Germanen auszuliefern. Der Antrag blieb ohne Erfolg. In den Jahren 55 und 52 v. Chr. überquerte Cäsar den Rhein, um Strafexpedition unter den Germanen durchzuführen. Er drang dabei nie weit auf germanisches Gebiet vor, so dass seine Überfälle in erster Linie als Demonstration seiner Macht anzusehen waren und die Germanen einschüchtern sollte. Er brannte Dörfer und Felder nieder. Mit dem Verzicht auf Germanien erwies sich Cäsar als kluger, vorausschauender Kopf. Er schätzte die Widerstandskraft der Germanen richtig ein. Er zementierte den Rhein als Grenzverlauf zwischen dem Römerreich und Germanien. Wenn Cäsar von der Nutzlosigkeit einer Eroberung Germaniens spricht und der Unbekehrbarkeit seiner Bewohner, sie seien unkultiviert und kriegerisch, so klingt das gewiss politisch gefärbt und verallgemeinernd. Germanen dienten, nicht zuletzt als Eliteeinheiten in seinen Legionen. In seinem Bestreben, den Rhein als praktische Grenze zwischen den Verbündeten im Südwesten und dem Feind im Nordosten zu vermitteln, sind seine Einteilungen nicht immer korrekt. So gibt er selbst zu, dass auch auf der linken Rheinseite germanische Stämme lebten - dass beispielsweise die Treverer und Belgen germanischer Herkunft seien. Aufgrund seiner Verbrechen in Gallien, aber auch an den germanischen Völkern, wo er nicht halt machte ganze Stämme mit Kindern und Frauen auszurotten, Land raubte - nur der Macht halber und um politische Karriere zu machen - muss man ihn ganz oben zu den Massenmördern der Geschichte zählen. Sein Ende ist wohl jedem bestens bekannt. Was war aber der Endeffekt dieser Raubzüge, gegen teils friedliche Stämme. Die Aufbruchsstimmung der rechtsrheinischen Völker, die unter dem ersten genannten Germanenkönig "Ariovist" geherrscht hatte, war nun verflogen. Allerdings wissen wir aus der Geschichte, dass sich Cäsars Großneffe Gajus Octavianus, der später den Namen "Augustus" erhielt, zunächst nicht an den Rat des großen Feldherrn hielt. Während Cäsar die Grenze Roms am Rhein für perfekt hielt, wollte Kaiser Augustus nicht bloß die Donaugrenze erreichen, sondern auch das "Freie Germanien" erobern, um das römische Reich im Norden endgültig zu stabilisieren. Dieses Vorhaben sollte in eine Katastrophe münden, die noch heute als einer der größten militärischen Fehlschläge aller Zeiten gilt: "Die Varusschalcht im Teutoburger Wald". (Quelle: "Sturm über Europa" - Peter Arens)