Die Geschichte um König Arthur

 

Die unsterbliche Geschichte von König Artus (Arthur) und den Rittern seiner Tafelrunde von Camelot ist der wohl berühmteste und immer noch lebendige Mythos Britanniens. Artus entstammte einer ehebrecherischen Liebesbeziehung zwischen dem britannischen König Uthyr Bendragon und Ygerna, der Frau des Herzogs von Cornwall. Uther hatte sich so leidenschaftlich in Ygerna verliebt, dass er den Zauberer Merlin dazu überredete, ihm die Gestalt des Herzogs zu geben. Dies gestattete ihm den Zugang zum Schloss Tintagel und somit zu seiner Angebeteten. Da Merlin dem Kind ein schreckliches Schicksal vorhergesagt hat, das dem Geschlecht der Pendragons ein Ende setzen werde, beschließt die Mutter, mittlerweile auch die Gemahlin König Uthers, das Neugeborene in die Obhut Merlins zu geben. Als Uther stirbt, sichert sich der fünfzehnjährige Artus mit Merlins Hilfe den Thron, in dem es nur ihm vor allen anderen Edelleuten gelingt, aus einem Felsblock ein darin steckendes Schwert herauszuziehen. Mit seinen auserwählten Rittern unterwirft Artus viele Länder und begibt sich auf die Suche nach dem Heiligen Gral, der ewiges Leben verleihen soll. Letztlich, nach vielen Abenteuern in dem er die Stämme Britanniens einigt und die Sachsen endgültig besiegt kommt es zu einem Kampf zwischen Artus und seinem diabolischen Sohn Mordred (= Medrawd der zu den Sachsen überging; in manchen Artuserzählungen wird Mordred als Artus' Neffe bezeichnet), in dem Mordred stirbt. Auch Artus wird durch das Schwert seines Sohnes tödlich verletzt. Man bringt den Sterbenden nach Avalon, der Feeninsel, wo er auf wundersame Weise von der Fee Morgane gesund gepflegt wird ( Morgane = Morgaine wird in einigen Schriften als Halbschwester von König Artus dargestellt). Von dort, so erzählt die Sage, werde Artus eines Tages wiederkehren und ein neues Friedensreich errichten.

Ist König Artus ein körperloser Schatten, verhüllt von einem silbernen Nebelschleier aus Zauberhand? Oder entstammt er dem tiefen Dunkel frühester Geschichte? Eines steht jedenfalls fest: Das Geheimnis, das ihn und seine Tafelrunde umgibt, ist in der Fantasie der Menschen lebendig geblieben bis auf den heutigen Tag. Schon vom siebten Jahrhundert an wird er in Chroniken und Balladen erwähnt. Der früheste erhaltene Hinweis auf König Artus findet sich in dem altwalisischen Gedicht „Y Gogoggin“ (Engl. The Gododin) – wahrscheinlich um 600 n. Chr. Auf jeden Fall taucht um etwa 600 n. Chr. unter den Königshäusern Brittaniens unvermittelt der Name „Arthur“ oder Variationen davon auf. Weitere Zeugnisse liefern lateinische Schriften aus dem 9. und 10. Jahrhundert sowie der „Mabinogion“ (um 1100), eine Sammlung walisischer Sagenerzählungen. Hier finden erstmals auch Artus’ Frau Guenievre (Gwenhwyfar) und einige Ritter seiner Tafelrunde Erwähnung. Und um 1137 hält der englische Dichter Geoffrey de Monmouth in seiner Geschichte Britanniens, „Historia Regnum Britanniae“, die Grundzüge der Artusgeschichte, wie wir sie heute kennen, fest.

Die Sage um König Artus wurzelt in der keltischen Mythologie - ja sogar noch weiter, bevor die Ringsteine auf der Insel standen - und wurde in späteren Überlieferungen immer wieder erweitert. Sie zeigt auch den Kampf des jahrtausend Jahren "Alten Glaubens" gegen den neuen, das Christentum. Der legendäre Ritter Artus aber, darüber sind sich die Historiker einig, ist keineswegs nur ein literarisches Phantom. Der walisische Verfasser der „Historia Brittonum“, Nennius, erwähnt ihn im frühen 9. Jahrhundert als einen „dux bellorum“, einen Kriegsherrn, der gegen die eindringenden Sachsen ankämpfte. Doch es gibt noch mehr Theorien: Der britische Historiker Professor Geoffrey Ashe hat akribisch festgestellt, dass sich hinter Artus ein Offizier des 5. Jahrhunderts Namens „Riotamus“ verbirgt, der in das von den Römern zurückgelassene Machtvakuum vorstieß, es vollbrachte die keltischen Stämme (u.a. Picten u. Scoten) zu einigen und in großen Schlachten gegen die Angelsachsen zu führen. Ein Unterfangen, welches größtes Geschick, Weitblick und Macht erforderte. Eben Merkmale über die nur ein großer Feldherr, Fürst oder König verfügen konnte. Denn dieser Feldherr konnte somit auch die Anhänger des alten und des neuen (christlichen) Glaubens zumindest vorübergehend einigen. Die wahrscheinlich ältesten historischen Nachrichten bewahren die „Annales Cambriae“. Sie erwähnen um 518 n. Chr. Artus Sieg über sächsische Eroberer in der Schlacht von Baddon und um das Jahr 539 n. Chr. seinen Tod in der Schlacht von Camlan. Ob Feldherr oder König, und wann er wirklich lebte, wir werden es wohl nie genau erfahren. Doch er wurde schon von seinen Mitstreitern als Kriegsführer und Held verehrt und blieb als Erneuerer der alten Ordnung in Erinnerung.

 

 

Die wichtigsten mythologischen Figuren und Orte

  

Artus (franz.deutsch), Arthur (wal.), Artorius oder Arturus (lat.)

Eine der bedeutendsten Sagengestalt der britannischen Kelten. Sein Name geht vermutlich auf den lateinischen Namen Artorius zurück und erscheint in lateinischen Texten als Arturus, in französischen und deutschen als Artus.

 

Morgaine Morgan le fay oder  Morgane (engl.)

Die bedeutendste und berühmteste Zauberin war Morgan le Fay, die feenhafte Halbschwester von König Artus und eine der faszinierendsten Gestalten der Artusliteratur. Sie war die schöne und gefährliche Gegenspielerin von Merlin dem Zauberer. So, wie Merlin als Beschützer und Ratgeber von König Artus dessen Aufstieg zur Macht förderte, war Morgan seine Quälerin und Nemesis, die seinen Fall und die Zerstörung seines Königreiches inszenierte. Morgan war jedoch nicht immer die böse Fee gewesen. Morgan le Fay - oder Morgane - wurde erstmals im 12. Jahrhundert im "Leben des Merlin" von Geoffrey von Monmouth als Heilerin ohne Andeutung eines bösen Charakters erwähnt. Sie führte die Neun Heiligen Frauen von Avalon an, die den verwundeten Artus nach der verheerenden Schlacht von Camlann, in der sein Königreich unterging, pflegten. In dieser Fassung war Morgan noch nicht Artus' Schwester, sondern verliebte sich in den König und nahm ihm das Versprechen ab, bei ihr im Reich Avalon zu bleiben. Spätere Erzählungen bekräftigten, dass die "ursprüngliche" Morgan eine Sagengestalt und eine Heilerin gewesen sei. Bis zum Ende des 12. Jahrhunderts jedoch hatten die Verfasser der Artusgeschichten Morgan zu Artus' Schwester gemacht, wenngleich sie noch immer als freundlich und gütig beschrieben wurde. Etwa einhundert Jahre nach ihrer erstmaligen Erwähnung wurde Morgan jedoch unwiderruflich als "verdorben" charakterisiert - wohl auch zugunsten des christlichen Patriarches. In denen von ihnen verfassten "Prosa Lanzelot" brandmarkten die Zisterziensermönche den Namen Morgans für alle Zeiten. Der zwischen 1230 und 1250 entstandene "Prosa Lanzelot" (auch als "Vulgate Cycle" bekannt) widmete sich den Abenteuern des Lancelot du Lac und der Suche nach dem Heiligen Gral.

 

Merlin (engl.,franz.,deutsch), Myrddin (kymrisch)

Nach der Artus-Sage Zauberer und Seher bei König Artus. Als Uther stirbt, sichert sich der fünfzehnjährige Artus mit Merlins Hilfe den Thron. Merlin ist der heidnische Magier, der in der Sage das Gegengewicht zu dem mystischen Christentum des Parzival und all jener bildet, die auf der Suche nach dem Gral waren. Somit verkörpert er jene Elemente in der Sage, die einen radikalen Trennungsstrich zwischen der Magie und dem orthodoxen Christentum ziehen. Merlin geht auf den kymrischen Namen Myrddin zurück. Myrddin wiederum hieß laut walisischer Überlieferung ein berühmter Dichter und Seher. Er soll zum Gefolge Königs Gwenddoleu fab Ceidiaw gehören und in der Schlacht von Arfderydd (573 n. Chr.) den Verstand verloren haben. Aus Furcht vor Gwenddoleus Gegnern habe er daraufhin in den Wäldern Schottlands Zuflucht gesucht und in der Einsamkeit die Gabe der Weissagung erlangt.

 

Mordred (engl.,franz.,deutsch), Medrawd (wal.)

Als Sohn oder bei Geoffrey von Monmouth als treuloser Neffe Arthurs dargestellt. Um 539 n. Chr. in der Schlacht von Camlan beim Kampf mit Artus gestorben. Hat in Abwesenheit des Königs den Thron usurpiert und mit der Königin Gwenhwyfar Ehebruch begangen. Gilt seither als einer der „drei schändlichen Männer der Insel“. Den walisischen Dichtern des 12. Jahrhunderts galt er noch als ein Vorbild an Tapferkeit.

 

Lancelot (engl.), Lanzelot (franz.)

Lancelot heißt in einigen Werken der französischen und deutschen Artus – Literatur der Liebhaber der Königin Guinievre (Gwenhwyfar = Frau von Artus). Die ältesten erhaltenen Gestaltungen dieses Stoffs schufen im 12. Jahrhundert „Chretien de Troyes“ und „Ulrich von Zatikhoven“. Der Name Lancelot begegnet weder bei Geoffrey von Monmouth noch in der mittelkymrischen Überlieferung. Vermutlich ist er nicht keltischen, sondern bretonischen Ursprungs.

 

Uthyr Bendragon (wal.), Pendragon (engl.)

Vater von Artus. Mit Hilfe des Zauberers Merlin (Myrddin) nimmt er die Gestalt des Herzogs von Cornwall an und verführt in Abwesenheit des Herzogs dessen Gattin Ygerna. Ihr Sohn ist Artus, der nach der Ermordung seines Vaters dessen Nachfolge antritt. Pendragon bedeutet „Drachenkopf“.

 

Ygerna (wal.), Igraine (engl.)

Mutter von König Artus und Gattin des Gorlois, des (römischen) Herzogs von Tintagel (Cornwall).

 

Gwenhwyfar, Guenievre (kymr.)

Tochter des Königs´ Leodegranz und Frau von König Artus. In späteren Erzählungen Geliebte von Lancelot.

 

Bedwyr fab Bedrawg (wal.)

Einer der Gefolgsleute und letzter Begleiter des sterbenden Artus. Er erfüllt den letzten Wunsch König Arthurs, indem er dessen Schwert ins Meer wirft, damit kein anderer es ergreife. Dann legt er den sterbenden König selbst in ein Boot, das ihn nach Avalon bringen soll. Er soll auch Liebhaber der Königin Gwenhwyfar gewesen sein. Er übernimmt damit die Rolle, die bei „Chretien“ de Troyes“ Lancelot spielt.

 

Cei fab Cynyr (wal.), Cai (lat.,engl.)

Er tritt meist zusammen mit „Bedwyr fab Bedrawg“ ebenfalls als treuer Gefolgsmann von König Artus in Erscheinung. Ihn wird in verschieden Schriften des Mittelalters eine Reihe magischer Kräfte zugestanden. In neuzeitlichen Gestaltungen des arthurischen Sagnkreises spielt er keine herausragende Rolle mehr.

 

Viviane Eviene oder Nimue (wal.), la dame du lac (franz.)

Sie ist eine der rätselhaftesten Gestalten im Sagenkreis. Sie ist offensichtlich nicht wirklich von dieser Welt, aber sie hat ihre Signifikanz dadurch, dass sie Artus das Schwert Excalibur überlässt. Als Nimue ist sie die Geliebte des Merlin und nimmt ihn letztlich völlig in Beschlag - ausgedrückt dadurch, dass sie ihn in einen Baum bannt. Sie scheint also ein Naturgeist zu sein - eine Dryade, die aus dem Wasser kommt und über Bäume gebietet.

 

Avalon (siehe auch Glastonbury)

Die Insel wo Viviane und Morgaine als Priesterinen herrschten. Zugleich auch Glastonbury - Insel der Mönche. Nur wenige konnten den Nebel durchbrechen um auf die Insel des "Alten Volkes" zu gelangen. In diesen Mythos um Avalon zeigt sich der Gegensatz der zwei Welten und die Trennung zwischen alten und neuen Glauben. Hier fand Artus seine letzte Ruhestätte im Geleit von Morgaine, der Priesterin von Avalon und das Schwert Excalibur wurde im See versenkt. Von dort, so erzählt die Sage, werde Artus eines Tages wiederkehren und ein neues Friedensreich errichten.

 

Tintagel

Zuerst Sitz des Herzoges von Cornwall "Gorlois" - erster Mann von Igraine (Mutter von Morgaine) - und dann Uther Pendragon (2. Mann von Igraine). Laut Sage durch die Magie des alten Volkes von Ys entstanden.

 

Glastonbury

Glastonbury, die legendäre Insel von Avalon, war tatsächlich eine von Sumpfland oder Schwemmwasser umgebene Insel, als sich die frühen Christen hier ansiedelten. Wann dies genau war, ist allerdings ist nicht bekannt. Als erste verlässliche Zeitangabe gilt das Jahr 705 n. Chr., in dem König Ine hier ein Kloster gründete, das im 10. Jahrhundert Benediktinerabtei wurde. Der in den Mythen genannte heilige Hügel ist demnach Glastonbury "Tor" auf der Spitze des "Caer Sidi" (aus dem Keltischen: gläserne Burg). In den letzten Jahren ist er zu einer Wallfahrtstätte geworden. Der Name stammt wahrscheinlich von Ynis Witrin (Insel aus Glas) ab. Die Gralsquelle. Im Avalon-Mythos die heilige Quelle der Göttin, deren Wasser die Priesterinnen tranken und an der bei Ritualen "Das Gesicht" gerufen wurde, um wichtige Ereignisse, die das Schicksal des Landes betrafen, vorauszusehen. Die Legende berichtet über diese Wasserquelle, dass Joseph von Arimathia hier den Gral verbarg, weshalb sich das Wasser rot färbte (Blutquelle). Das geschwungene fischähnliche Symbol auf der Quellabdeckung tritt in der frühen britischen Kirchenarchitektur öfter au

 

Caerleon

Sitz König Artus` bevor er Camelot erbauen lies. Diente anschließend weiter als Heerlager gegen die Sachsen.

 

Camelot

Die legendäre Burg, von der aus Artus Britannien regierte. Erbaut auf den Grundmauern eines ehemaligen römischen Castels. Der dortige Hof war der eleganteste in ganz Europa, die besten Ritter waren dort um die Tafelrunde versammelt, und von dort begann die Suche nach dem Gral. Camelot wurde erstmals von „Chretien de Troyes“ im 12.Jahrhundert erwähnt.

 

Camlan

Der Ort an dem Arthur seine letzte Schlacht geschlagen haben soll. Der älteste Beleg dafür ist ein möglicherweise zeitgenössischer Eintrag in den „Anales Cambriae“. Dort wird die Schlacht mit 539 n. Chr. datiert in der Arthur und Medraut umkammen.

( Quellen: "Lexikon der keltischen Religion und Kultur" - Bernhard Maier, "Das Zeitalter der Kelten" - Simon James, "Die Kelten" - Alexander Demandt ).

 

Buchtipp: "Die Nebel von Avalon" - Marion Zimmer Bradley. ISBN: 3-596-28222-5 

Die wunderbarste Nacherzählung der Sage um König Artus (Isaac Asimov).

 

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